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IMV und Industriemeister

Ausbildung mit Zukunft

In den letzten 20 Jahren hat ein gewaltiger Umbruch in den Unternehmen stattgefunden. Neue Technologien und Organisationsformen, Automatisierung, Kundenorientierung, Qualitätsmanagement und Umweltschutz kennzeichnen stichwortartig diesen Strukturwandel.

Dies konnte nicht ohne Auswirkungen auf den Industriemeister bleiben, dem in den Unternehmen eine sog. Schlüsselfunktion zukommt. Zeitweise wurden die Industriemeister sogar als „Enwicklungsverlierer des betrieblichen Veränderungsprozesses“ bezeichnet. Inzwischen zeigen neuere Untersuchungen, eine deutliche Behauptung des Industriemeisters im betrieblichen Machtgefüge.

Nach mehrjähriger Arbeit von verschiedenen Sachverständigen wurde am 12.12.1997 vom Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie die Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluß Geprüfter Industriemeister / Geprüfte Industriemeisterin – Fachrichtung Metall durch Unterschrift in Kraft gesetzt.

Das veränderte Prüfungskonzept enthält die Forderung des Nachweises beruflicher Handlungskompetenz. Es erzwingt den Praxisbezug, indem es nicht fachsystematisch organisiert ist, sondern von betrieblichen Problemen und Aufgaben ausgeht. Dies wird besonders im Prüfungsteil „Handlungsspezifische Qualifikation“ deutlich. Hier müssen Prüfungsteilnehmer zwei betriebliche Situationsaufgaben schriftlich bearbeiten (Dauer ca. 8 Std), sowie ein situationsbezogenes Fachgespräch (Dauer ca. 1 Std.) führen. Dabei beziehen sich die Situationsaufgaben auf alle betrieblichen Handlungsbereiche und stammen aus unterschiedlichen Funktionsfeldern.

Damit entfernt sich diese neue Prüfung von dem klassischen Prinzip der Fächerprüfung und steuert eine durch Handlungsfelder dominierte komplexe Prüfung an. Diese Neuausrichtung ist aufgrund der o. g. betrieblichen Entwicklung notwendig.

Die Umsetzung dieser Neuordnung geschieht z. Zt. durch 3 Modellversuche im Bundesgebiet.

Während der 1. Teil (fachrichtungsübergreifende Basisqualifikation) noch in etwa mit dem bisherigen zu vergleichen ist, wird mit dem 2. Teil (handlungsspezifische Qualifikation) Neuland hinsichtlich Lernstoffvermittlung betreten.

Für diesen 2. Teil werden momentan die sog. betrieblichen Situationsbeschreibungen erarbeitet. An diesen Ausarbeitungen in den einzelnen Firmen sind u. a. auch eine Vielzahl von IMV-Kollegen maßgeblich beteiligt. Unter der wissenschaftlichen Begleitung des Fraunhofer Instituts für Arbeitswissenschaft und Organisation werden komplexe betriebliche Probleme / Vorgänge / Tätigkeiten in den verschiedenen Betrieben beschrieben. Das Ziel ist, daß die Lehrgangs-, Prüfungsteilnehmer mit realen beruflichen Problemstellungen aus der Industriemeisterpraxis sowohl im Unterricht als auch in der Prüfung konfrontiert werden.

Was bedeutet dies nun für die Dozenten und die Prüfungsausschußmitglieder?

Der Erfolg respektive Mißerfolg der neuen Meisterausbildung wird sicherlich sehr stark davon abhängen, inwieweit es den Dozenten gelingt, die neue Form der aktiven Lerngestaltung umzusetzen. D. h. die Dozenten werden sich mehr in Richtung „Trainer Berater“ entwickeln müssen. Insbesondere bei diesem Veränderungsprozeß ist eine umfangreiche Unterstützung (u.a. der IHK’s) zwingend erforderlich.

Ebenso betrifft es die Prüfungsausschußmitglieder. Auch sie müssen auf die neue Form der Prüfung vorbereitet werden. D.h. auch hier ist eine Unterstützung Betreuung unbedingt notwendig.

Wir, der Industriemeisterverband Deutschland, werden die Umsetzung der Neuordnung weiterhin sehr aufmerksam und kritisch beobachten und begleiten. Sollten signifikante Abweichungen oder evt. Benachteiligungen für unsere zukünftigen IMV-Kollegen auftreten, werden wir alles in unserer Macht stehende unternehmen, um dies zu korrigieren. Es versteht sich von selbst, dass der Industriemeisterverband Deutschland e.V. diese Rechtsverordnung auch für weitere Fachrichtungen fordert.

Günter Tettinger

Beirat Bundesvorstand